#008 Erst Reserven und Rücklagen bilden, dann sparen

Heute geht es wie immer ums Sparen.
Doch um überhaupt sparen zu können, muss auch am Ende des Monats Geld übrig sein. Nur dann kannst Du etwas zur Seite legen.

Jetzt habe ich aber noch eine schlechte Nachricht. Das alleine reicht leider nicht. Um fürs Alter sparen zu können sollten vorher auch noch Reserven und Rücklagen für Notfälle und größere Anschaffungen gebildet werden.
Wenn Du das aber geschafft hast, kannst Du ruhigen Gewissens für Deine Altersvorsorge sparen.

Wie hoch die Reserven und Rücklagen ausfallen sollten und wie Du das Geld dafür anlegen kannst, erkläre ich Dir im Folgenden.
Am besten Du machst Dir eine kleine Aufstellung. Dann hast Du es schwarz auf weiß vor Dir. Das hilf – zumindest mir – um die Gedanken zu sortieren.

Einnahmen und Ausgaben (1. Schritt)

Einnahmen

Das sollten in der Regel wenige Posten sein. Im Grunde genommen, alles was regelmäßig auf Deinem Konto landet. Diese zählst Du dann zusammen um Dein monatliches Netto-Einkommen zu erhalten.

Rechne hier auch jährliche Zahlungen, die du sicher! erhalten wirst mit ein, z. B. das Weihnachtsgeld (wie immer netto). Nicht sichere Einnahmen wie z. B. die Steuererstattung kannst Du weglassen.
Die jährlichen Zahlungen teilst Du dann durch 12 und addierst diesen Betrag zum monatlichen Einkommen dazu.

Damit hast Du nun Deine jährlichen Einnahmen auf Monate heruntergerechnet.

Ausgaben

Das sind im Normalfall wesentlich mehr Posten. Wenn Du keinen genauen Überblick über Deine Ausgaben hast, kannst Du Deine Kontoauszüge der letzten 12 Monate anschauen. Da wirst Du relativ gut erkennen, welche Ausgaben regelmäßig anfallen.

Auch hier musst Du die jährlichen Ausgaben, die sicher anfallen mit einberechnen.
Oft werden Versicherungen nur einmal jährlich abgebucht. Diese musst Du dann wie die jährlichen Einnahmen durch 12 teilen und auf die Monatsausgaben addieren.

Tipp am Rande:
Wenn Du monatlich oder quartalsweise Versicherungsbeiträge zahlst, dann schaue doch, ob Du es Dir leisten kannst die Beiträge jährlich zu zahlen. So kannst Du Aufschläge, die beim unterjährigen Zahlen erhoben werden, vermeiden.

monatlicher Überschuss

Zum Schluss ziehst Du die oben berechneten Ausgaben von den Einnahmen ab.
Dann wirst Du sehen, wie viel Geld Du im Monat übrig hast.
Wenn dabei ein positiver Betrag ergibt, dann können wir zu Schritt 2 übergehen.

Wenn dabei ein Minus herauskommt, Du also mehr Ausgaben als Einnahmen hast, solltest Du detaillierter hinschauen.
Ich empfehle Dir generell Deine Einnahmen und Ausgaben aufzuschreiben. Wenn Dir das zu aufwändig ist, gibt es mittlerweile auch einige (Banken-)Apps, die das ganz gut darstellen.

Anhand einer genaueren Aufstellung kannst Du dann Deine Ausgaben nochmal durchgehen und das ein oder andere einsparen. Und zwar so lange, bis ein monatliches Plus entsteht.
Du kannst natürlich auch versuchen Deine Einnahmen zu erhöhen. Das ist aber meistens der etwas schwierigere Weg. Obwohl ich Dir wirklich empfehlen kann, Dir auch darüber Gedanken zu machen.

Reserven (2. Schritt)

Wenn Du beim 1. Schritt ein monatliches Plus berechnet hast, kommen wir nun zu den Reserven.
Hierbei unterscheide ich zwei Arten von Reserven.

  1. Liquiditätsreserve
  2. Notreserve

Liquiditätsreserve

Das ist die Reserve, aus der Du Deine monatlichen Ausgaben finanzierst.
Sie dient dazu, dass Du auf Deinem Konto nicht in den teuren Dispo (kurz für Dispositionskredit) rutschst. Dafür zahlst Du oft sehr hohe Zinsen. 10 % sind da nicht unüblich.

Als Faustformel kannst Du ungefähr ein (Netto-) Monatsgehalt auf Deinem Girokonto vorhalten.
Solltest Du allerdings in Schritt 1 festgestellt haben, dass es Monate gibt, in denen mehr abgebucht wird – was oft im Januar der Fall ist -, dann sollte Deine Liquiditätsreserve auch das abfangen können.

Notreserve

Die Notreserve dient dazu unvorhergesehene Umstände überstehen zu können.
Falls z. B. Teile Deines Einkommens wegfallen, wirst Du bestimmt trotzdem weiterhin den Großteil Deiner Ausgaben stemmen müssen. Oder wenn Dein Auto repariert werden muss, kann das schnell sehr viel Geld verschlingen.

Um dann keinen teuren Zwischenkredit aufnehmen zu müssen, solltest Du als Faustformel 2-3 (Netto-)Monatsgehälter vorhalten.
Hierfür eignet sich ein Tagesgeldkonto, da Du an dieses Geld auch sehr schnell rankommst, es aber mehr Zinsen abwirft als das Girokonto.

Wenn man nicht extra ein Tagesgeldkonto eröffnen möchte, kann man sich bei den momentanen Minizinsen auch überlegen, das Geld aufs Girokonto zu legen. Empfehlen würde ich aber generell ein Tagesgeldkonto. Denn das wird auch für die Rücklagen nochmal interessant.

Rücklagen (3. Schritt)

Wenn auch die Reserven aufgefüllt sind, dann sind wir leider immer noch nicht beim Sparen angekommen – aber fast.
Was nun noch fehlt sind Rücklagen für größere Ausgaben, die in naher bis ferner Zukunft anfallen werden. Als Beispiel gibt es da

  • Auto- oder Motorradkauf
  • neue Waschmaschine oder Trockner
  • neue Küche
  • Instandsetzung Deiner Immobilie, u.v.m

Hierfür kannst Du Dir wieder eine Übersicht erstellen, die auflistet, welche größeren Anschaffungen Du in wie vielen Jahren tätigen musst und wie viel das kosten wird.

Wie immer solltest Du nicht schönrechnen, also versuche realistische Werte ansetzen.
Wenn Du sicher gehen möchtest, kannst Du 10-20 % als Puffer draufschlagen. Denn meistens wird’s doch teurer als geplant 😉 .

Das könnte dann so aussehen:

AnschaffungPreis (inkl. Puffer)in wie vielen Jahren benötigtRücklage pro Monat
Auto14.400 €8= 14.400 € / (8*12) = 150 €
Waschmaschine und Trockner600 + 660 = 1.2607= 1.260 € / (7*12) = 15 €
Küche13.500 €15= 13.500 € / (12*15) = 75 €
Immobilie Faustformel für Häuser
zwischen 5 und 10 Jahre: 6 € / m² pro Jahr
= 6 € * 120 m² /12 = 60 €
Beispielliste für notwendige Rücklagen

In Summe wären das bei meinem Beispiel dann 300 € pro Monat, die zuerst als Rücklagen gebraucht werden, bevor das Geld im Sparstrumpf landen kann.
Ich weiß, das ist wirklich viel Geld, das da zusammen kommen kann. Aber immer noch besser Du fängst jetzt damit an, als dass Du auf einmal einen Kredit benötigst oder das Auto leasen musst. Das kann Dich im Endeffekt nämlich wesentlich mehr kosten.

Doch wo soll man das Geld anlegen? Hier macht es je nach Zeitraum durchaus Sinn außerhalb des Tagesgeldkontos zu sparen. Denn die Inflation macht die Investition in der Zukunft noch teurer als heute. Deshalb brauchen wir als Gegengewicht eine angemessene Rendite.

Dabei würde ich aber immer nur einen Teil der Rücklage ins Risiko stellen. Z. B. nur die Hälfte in Fonds und die andere Hälfte aufs Festgeld. Am besten so ausloten, dass Du noch ruhig schlafen kannst.
Und je näher der Kauftermin rückt, desto mehr sollte in die sichere Anlage fließen bzw. umgeschichtet werden.

Als Faustformel habe ich mal die folgende Tabelle erstellt:

AnlagezeitraumAnlageform
bis zu 1 Jahr Tagesgeldkonto
1 -5 JahreFestgeldkonto
5 – 10 JahreFestgeldkonto
Rentenfonds
mehr als 10 JahreAktienfonds
Anlagezeitraum und -formen für Reserven

Sparen (4. Schritt)

Wenn Du nun aus Schritt 3 weißt, wie viel Du monatlich als Rücklagen benötigst, kommen wir nun endlich zum Sparen.
Vorausgesetzt Deine Reserven sind gefüllt. Wenn nicht, gehe nochmal zurück zum 2. Schritt und fülle sie zuerst auf.

maximalen Sparbeitrag ermitteln

Dein monatlicher Beitrag, den Du maximal sparen kannst, ergibt sich dann als

maximaler Sparbeitrag = (Einnahmen – Ausgaben) – Rücklagen

Ein Beispiel:
Nehmen wir an, dass Du im ersten Schritt ein monatliches Plus von 700 € berechnet hast.
Deine Reserven sind gefüllt und für Deine monatlichen Rücklagen brauchst Du 300 €.
Damit ergibt sich Dein maximaler (monatlicher) Sparbeitrag als

maximaler Sparbeitrag = 700 € – 300 € = 400 €

Sollsparbeitrag ermitteln

Nun solltest Du prüfen, ob Dein maximaler Sparbeitrag ausreicht, um Deine Rentenlücke zu schließen.

Wie Du die Rentenlücke berechnen kannst, habe ich in Artikel #002 beschrieben.
Dort findest Du auch eine Tabelle zur Orientierung, wie viel Du von Deinem Netto zurücklegen solltest.
Den Rentenlücken-Recher kannst Du hier kostenlos herunterladen.

Beispiel:
Sagen wir mal, Du bist 30 Jahre alt. Dann solltest Du grob 12 – 16 % von Deinem Netto zurücklegen.
Wenn Du z.B. monatlich 2.500 € als Nettoeinkommen hast, dann liegt Dein Sollsparbeitrag zwischen
300 € bis 400 € monatlich (12 % von 2.500 € = 300 € und 16 % von 2.500 € = 400 €)

In unserem Beispiel sehen wir, dass Du mit Deinem maximalen Sparbeitrag von 400 € den vollen Sollsparbeitrag in Höhe von 400 € erreichst.
Das wäre der Idealfall.

Sollte nun herauskommen, dass Dein maximaler Sparbeitrag nicht ausreicht, dann gehe wieder zurück zu den Einnahmen und Ausgaben. Überprüfe dort nochmal, ob Du die Einnahmen erhöhen oder die Ausgaben verringern kannst.
An den Reserven solltest Du nichts rütteln.
Und auch die Rücklagen sollten unverändert bleiben. Außer z. B. das angestrebte Auto erscheint Dir jetzt doch als zu teuer 😉 . Dann kannst Du diese Aufstellung natürlich gerne anpassen.

Statistik der Woche

90 % der Befragten ist es sehr bis ziemlich wichtig Rücklagen für Notfälle und unvorhergesehene Ausgaben zu bilden (Quelle: statista, 2013)

Auch wenn die Umfrage aus dem Jahr 2013 ist, dürften die Antworten heute wohl genauso ausfallen.
Nichtsdestotrotz glaube ich, dass doch die wenigsten Ihre Reserven und Rücklagen realistisch kalkulieren. Eine Notreserve haben wohl viele. Aber reicht die?
Und reichen die gebildeten Rücklagen für zukünftige Anschaffungen?

Mit den obigen Anleitungen und Tabellen, kannst Du Dir einen Überblick verschaffen und so kalkulieren, dass Du ruhigen Gewissens ans Sparen denken kannst.

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Danke fürs Lesen und bis zum nächsten Mal!

Dieser Beitrag wurde zum letzten Mal aktualisiert am 06.06.2020

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